Ein genial-provokanter Versuch der etwas anderen Geschichtsaufarbeitung
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Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Meine Kämpfe (Taschenbuch) Mit der köstlich zu lesenden Erzählung Meine Kämpfe" stößt der Theatermann Georg Tabori den Mythos Hitler vom Sockel. Fernab von jeglicher Verklärungen, Dämonisierungen oder Erklärungsversuchen als Wahnsinn erzählt der Autor mit unglaublich viel Biss die Jugend des Diktators, als jener noch als rüpelhafter und frustrierter Durchschnittsmensch im rechtsradikalen Wien sein Glück versucht.
Geradezu grotesk ist hierbei sein Verhältnis der pubertären Diktators zum Juden Schlomo Herzl, der Hauptfigur der Erzählung, der sich des jungen Hitlers annimmt, diesem als Gewissen dient und sogar seinen Mantel leiht, obwohl er von Welteroberung einschließlich Neuseelands" halluziniert und keine Gelegenheit auslässt den Frust seines Scheiterns gegenüber dem Gönner" auszulassen.
Das Buch darf jedoch - trotz seines Bisses und seiner Satire - nicht als Pharse verstanden werden.
Allzuoft verleitet es zu einem Lächeln, trotz der unheilverkündenden Anspielungen, die den Leser erschauern lassen. So lassen viele Szenen, die bevorstehende Katastrophe erahnen: so zum Beispiel der Rat Schlomo Herzels, Hitler solle sich der Politik widmen, die düstere Figur Hitlers Jugendfreundes, des Forschers Himmlisch, der Schädel auf Tischtennisballgröße schrumpfen lassen kann, sowie die Szene, in welcher die Henne Mitzi dem Choleriker Hitler zum Opfer fällt und von diesem verspeisest wird. Die Erzählung ist regelrecht vollgepackt mit Anspielungen und Querverbindungen zu historischen Ereignissen. Die Wahl des Namens Herzl" erinnert an den Wiener Theodor Herzl, den Begründer des Zionismus, das ungeschriebene Lebenswerk der Hauptfigur trägt den Namen Meine Kämpfe" und vieles mehr. Überaus gelungen ist auch die das die Figur einer weiteren gescheiterten Existenz des Wiens der Jahrhundertwende, eines Judens der Schlomo Herzl regelmäßig auflauert um als Gott aus einem brennenden Busch" zu predigen und Schlomo Herzl zu bestrafen.
Der Rhythmus und Erzählstil des Werks erinnern oft an Theaterstücke und szenische Darstellungen und spiegeln somit die umfangreiche Bühnenerfahrung des Autors wider.
Zahlreiche Querverbindungen bestehen auch zu den anderen Erzählungen des Buchs, wie die Inszenierung der Kreuzigung auf dem Golgatha, das zum Medienevent wird.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 5. Februar 2007
Kundenrezensionen:
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