Anderrede vom Weltgebäude herab. Hans Wollschläger zum Gedächtnis
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"Die Wörter kommen nicht mehr von der Zunge"
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(REAL NAME)    Rezension bezieht sich auf: Anderrede vom Weltgebäude herab. Hans Wollschläger zum Gedächtnis (Broschiert) Als Hans Wollschläger im Oktober 2006 über das Altern sprach, ahnte er nicht, dass es seine letzte öffentliche Rede sein würde. Eine Rede, die dennoch Kennzeichen des Abschieds trägt - die vielen letzten großen Worte, das Fazit eines schmerzhaften Alterungsprozesses, dessen Ziel nicht erkennbar ist.
Der Wallstein-Verlag hat die Rede jetzt in einem kleinen Band zum Gedächtnis an den Schriftsteller veröffentlicht. Ergänzt wird die Publikation von Nachrufen, in denen die Verfasser Wollschlägers Leistungen als Autor, Essayist, Übersetzer und Herausgeber würdigen.
"Sein Dasein allein läßt einem derart die Luft wegbleiben, dass die Wörter nicht mehr von der Zunge kommen": Hans Wollschläger spricht vom Tod - doch schnell wird klar, dass es in der Rede nicht um das endgültige Nichts geht, sondern um den Prozess, der zu ihm führt: um das Altern. Altern, das ist für den Autor körperliches Nachlassen, das "gräßliche Wegsterben der Freunde" und - vor allem - das Brüchigwerden der Lebensillusionen.
Nach dem Bruch mit der christlichen Verheißungslehre beginnt der Theologensohn Wollschläger auch den vermeintlichen Ewigkeitsanspruch der Kulturgeschichte anzuzweifeln. Eigentlich sollen Musik und Literatur Trost spenden und ihren "Schöpfern" eine Art Weiterleben nach dem Tod suggerieren. Beim alternden Wollschläger funktioniert dieser Glaube nicht mehr: "Die Kulturgeschichte ist voll von Beweisen dafür, dass die Evolution ihre besten Gelegenheiten verpasst."
Dass der Schopenhauer-Verehrer am Schluss das Vertrauen auf Religion und Kultur doch - wenn auch zaghaft - wieder ins Spiel bringt, ist vor allem ein Indiz für die Schonungslosigkeit seiner brillant formulierten Selbstbeobachtung.
Etwas Hoffnung muss bleiben. Was werde Altern am Ende sein, fragt der Autor und gesteht, er habe vor der Antwort eine "höllische Angst": "Alles, was man so sehr genau gar nicht wissen möchte, wird man immer genauer wissen, zuletzt ganz ohne jedes Wenn und Aber."
Diese Erfahrung blieb Hans Wollschläger erspart. Sieben Monate nach seinem Vortrag starb er am 19. Mai 2007. Am Ende bleibt eine Rede zum Immer-wieder-lesen.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 8. November 2007
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